Seltsames, Skurriles und Merkwürdiges aus dem englischen Alltag



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    Archiv: August 2007

    Ein Kinderreim mit Christopher Robin

    Kinderreime oder auch Schlaflieder nennt man im Englischen “nursery rhymes”. Christopher Robin ist ein Charakter aus “Winnie-the-Pooh”. Ein freundlicher Junge und einer der besten Freunde von Winnie-the-Pooh. Ob nun derselbe Christopher Robin in diesem kleinen nursery rhyme gemeint ist - nun lieber Sprachfetzen-Freund - entscheide selber. Ich wünsche ein schönes Wochenende, am Montag geht´s weiter.

    Stonehenge - not worth the candle

    Der Guardian berichtet über die enttäuschendsten Sehenswürdigkeiten in England und im Rest der Welt. Da kommt der freudige Tourist nach Stonehenge, zahlt £ 6,30 Eintritt, lauscht andächtig dem Verkehrslärm der nahen, vielbefahrenen A 303 und sieht: “just a pile of rocks”.
    Als ich als Abiturient vor vielen Jahren auf Klassenfahrt mal da war, dachte ich das Gleiche. Und heute kann ich in Englisch hinzufügen: “this is not worth the candle” - die Sache lohnt sich nicht.

    Bobbies on skateboards

    Englische Polizisten lernen Skateboard fahren. Dazu hat man extra eine Skateboardtrainer angeheuert. Der bringt den Polizisten in der südenglischen Grafschaft Hampshire coole Skateboard-Stunts bei. Dann wissen die Kids: Hey Bullen sind auch nur Menschen. Immerhin ein lobenswerter Ansatz - auf jedenfall besser als ASBOs meine ich.

    Wait until the fat lady sings

    Neulich beim heimischen Spielabend. Die Würfel fallen gut, meine Stimmung steigt, mein Ton wird überheblicher - da sagt mein englischer Gegenspieler: “Wait until the fat lady sings”. Ich war verwirrt, wo doch eine Scheibe von Eddie Cochran auflag und der nun eher von “Skinny Jim” singt. Mir kam sofort Divine in den Sinn, aber von der habe ich keine Platten. Dann fiel es mir ein, klar ich kann meine Marie Adams And The Three Tons Of Joy Scheibe auflegen - aber weit gefehlt. Das ist eine englische Redewendung, die soviel bedeutet wie “abgerechnet wird zum Schluß”. Oder auch:
    Don’t halloo till you’re out of the wood! - Freu dich nicht zu früh!

    Ich schreib´s nur ungern - am Schluß war ich der Verlierer :(

    Burn the midnight oil - Nachtschicht einlegen

    Die Meldung ging ja durch die (Regenbogen)presse. Da war diese seltsame Engländerin, die sich bei der Britischen Telekom beschweren wollte und rund 20 Stunden in der Warteschleife ausharrte - letztendlich umsonst. Hat die den sonst nichts zu tun?
    Aber sie hat auch einen Fehler gemacht. Nach 8 Stunden einfach auflegen und sich ausschlafen um es am nächsten Tag wieder zu versuchen. Für´s nächstemal rate ich: dranbleiben Mädel! “Burn the midnight oil” - leg eine Nachtschicht ein.

    Das neue Londoner Planetarium - whatever floats your boat

    Seit ein paar Wochen ist das neue Planetarium in London nach langem Umbau  wieder geöffnet. Es soll ganz sensationell sein. Auf der Website “Astronomy at the Royal Observatory” heißt es: “The Royal Observatory has undergone a spectacular £15 million redevelopment - the Time and Space Project. The project is now complete with new galleries, an education centre, and the centrepiece is a 120-seat, state-of-the-art planetarium. Come and explore for yourself the answers to ‘big questions’!”

    Hmmm, wenn das Planetarium allerdings genauso langweilig und uninformativ ist, wie diese Webseite von der “Astronomy at the Royal Observatory” - na ich weiß nicht …
    Aber falls ihr in London seit und gerade mal Lust darauf bekommen solltet - “whatever floats your boat” - dann schaut mal rein. Immerhin kann man dort über den Nullmeridian hüpfen.

    Eine Biolehrerin schnorchelt durch´s Moor

    Ende August ist es wieder soweit. Ab durch Moor und Torf - mit Schnorchel und Schwimmflossen! Konventionelle Schwimmtechniken sind allerdings nicht erlaubt. Also nichts wie hin zum großen Wettbewerb. Julia Gavin die Königin des Bog Snorkeling gibt es hier zu bewundern. Neugierig geworden? Dann lest noch mehr (mit tollem Foto) über die tollkühne Biologielehrerin.

    Mark Twain und der Struwwelpeter

    Der sieht ja aus wie ein Struwwelpeter, dachte ich neulich als ich einem eher zerzaust wirkenden Engländer begegnete. Und dann mußte ich überlegen: “Struwwelpeter” - kennen die Engländer den überhaupt? Ich habe mal recherchiert….

    Sieh einmal, hier steht er.
    Pfui! Der Struwwelpeter!
    An den Händen beiden
    Ließ er sich nicht schneiden
    Seine Nägel fast ein Jahr;
    Kämmen ließ er nicht sein Haar.
    Pfui! Ruft da ein jeder:
    Garst’ger Struwwelpeter !

    1891 war Mark Twain in Berlin. Hier stieß er auf die Struwwelpeter Geschichte des Arztes Heinrich Hoffmann. Twain war begeistert und machte sich an eine englische Übersetzung, die zuerst nur für seine Töchter vorgesehen war. Die mit viel Sprachgefühl ausgestattete, gelungene Übersetzung wurde dann zur Grundlage der englischen Struwwelpeter Ausgabe.

    See this frowsy “cratur” -
    Pah! it’s Struwwelpeter!
    On his fingers rusty,
    On his tow-head musty,
    Scissors seldom come;
    Let his talons grow a year, -
    Hardly ever combs his hair, -
    Do any loathe him? Some!
    They hail him “Modern Satyre -
    Disgusting Struwwelpeter.”

    Annis Lee Furness hat die Reime so übersetzt:

    Fie! naughty wild and slovenly Peter!
    I fear he never will be neater.
    For many many many weeks
    No water has been near his cheeks;
    And ’tis a year now I declare
    Since he has let nurse comb his hair.
    And then the nails, ’tis very clear
    They’ve not been cut all this year!
    It is no wonder that all cry
    O naughty Slovenly Peter, fie!

    und eine weitere, sehr gängige Übersetzung des “Slovenly Peter” ist:

    See Slovenly Peter! Here he stands,
    With his dirty hair and hands.
    See! his nails are never cut;
    They are grim’d as black as soot;
    No water for many weeks,
    Has been near his cheeks;
    And the sloven, I declare,
    Not once this year has combed his hair!
    Anything to me is sweeter
    Than to see shock-headed Peter.

    Entscheidet selber, welche Übersetzung am Gelungensten ist.

    © Thomas Althaus 2007 | by WordPress | WPD
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