Ich hatte ja neulich schon einmal über das neue Ikea im Zentrum von Coventry berichtet. Anscheinend hat Ikea von den Stadtvätern so gute Konditionen bekommen, das es sich gerne in der Stadtmitte und nicht wie sonst üblich im preiswerteren und autofreundlicherem Stadtrand angesiedelt hat. Den Ikea-Managern war allerdings klar das Coventry eine eher unaktraktive Stadt ist, wo es die Menschen wegzieht, statt hinzieht. Aber seit der Eröffnung am 16. Dezember 2007 ist nun alles anders:
Die Familien in Coventry feierten Weihnachten nun viel lieber in ihren wunderbaren Häusern:
Und die Stadt ist stolz:
Und damit wünsche ich allen Lesern von Sprachfetzen ein frohes Fest und einen guten Rutsch. Merry Christmas and a happy New Year!
Hier geht es weiter am 2. Januar 2008.
Ach ja, das letzte Posting für diese Jahr ist natürlich: Klick
Zu den kommenden Festtagen ein kleiner Online-Lesetipp.
Auf der sehr schönen Webseite curiousexpeditions.org kann man sich wahrlich die skurilsten und spannensten Reisetipps holen. Ein- bis zweimal Wöchendlich erscheinen dort die ausgefallensten Berichte. Hier mal ein paar Beispiele:
Gordon Brown, Englands Premier zieht in den Krieg gegen den Alkoholmißbrauch. Das war auch der “Welt” einen Artikel wert, den die weiß das sich die Briten auch schon in der Grundschule betrinken und illustrieren das mit einem eindrucksvollem Foto von (Grund?)schulkindern beim Saufen. Aber das hat bald ein Ende den in Zukunft wird in britischen Schulen im “Alkoholerziehungsunterricht” aufgeklärt.
Da will ich natürlich auch dazu beitragen mit dem kleinen Hinweis auf die wunderbare Liz Green hinzuweisen und ihrer tolle Version von Goodbye Blues:
Well she tore my clothes
She swelled my head
So goodbye booze i’m goin to bed
I had a good time, but we couldn’t agree
So you see what booze has done for me
Wohin fährt der Engländer wenn er im Weihnachtskaufrausch auch gleich noch eine Metropole Europas mitnehmen will? Ganz klar - Berlin ist dem Engländer eine kleines Vorweihnachtswochenende wert. Das hat auch der Guardian erkannt und im Reiseteil unter der Überrschrift “Top 10 wacky things to do in Berlin” 10 tolle Vergnügungen die ziemlich “wacky” (schrill, verrückt, exzentrisch) sind zusammengestellt. Wichtig, gleich an erster Stelle das “Bathing Ship“, den der Engländer liebt es sich zu bräunen. Und was ist noch wichtig? Richtig! Alkohol! Also folgt der Tipp zum Absinth Depot Berlin. Das klingt “zum durchdrehen” - (to wack out), und ich wette man wird mehr als nur einen “wacko” (Spinner) dort antreffen.
Der Sprachfetzen Leser kann nun zwischen wacky, wacko und wacked out unterscheiden - und wenn er das nach Weihnachten auch noch weiß dann hat er sich ganz wacker durch die Festtage geschlagen.
Was immer man auch sagen mag, egal ob zum Thema Essen, Esprit, Frauen, Kultur, usw usw: eins haben die Italiener den Engländern voraus. Sie haben den italienischen Spiderman:
Ein kleiner Klick auf das Vorschaubild führt zu Preview und zeigt warum der italienische Spiderman ohne Zweifel ein landestreuer Vorreiter des Guten ist - genau das was England fehlt.
Er ist “cutting-edge” - auf dem neuesten Stand, innovativ, topaktuell.
Ich denke es sollte allgemein bekannt sein: der Begriff für diese ganzen emails “spam” wurde tatsächlich aus einem Monty Python Sketch abgeleitet. Für alles die das noch nicht wussten:
SPAM ist ein Markenname für Dosenfleisch. Ich habe das von Hormel gekauft, es besteht aus “chopped pork and ham”.
Beim Monty Python Sketch kommt ein Ehepaar in einen Imbiß. Dort besteht die Speisekarte ausschließlich aus spamhaltigen Speisen. So empfiehlt die Kellnerin zum Beispiel “Spam, Eier, Bratwurst und Spam”. Mrs. Bun, die von ihrem Mann begleitet wird, verlangt nach einem Gericht ohne Spam, die Kellnerin empfiehlt ein Gericht mit “wenig” Spam. Als sich der Gast daraufhin aufregt, fällt am Nachbartisch ein Chor aus Wikingern, mit einem Loblied auf Spam ein, bis alles im Chaos versinkt. Mrs. Bun schreit schließlich: “I don’t like spam!”. Im diesem kleinen Sketch von Monty Python wird das Wort “Spam” insgesamt knapp 100 mal erwähnt.
Übrigens: im Oktober 2006 hat der Lebensmittelhersteller Hormel Foods einen Streit vor dem europäischen Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt um die Marke SPAM verloren. Hier das Audio des Sketches:
Und für alle Monthy Python Fans, hier der Link zum Kompendium von 150 MP Sketchen.
Zum Wochenausklang noch mal das Thema U-Bahn in London. Sprachfetzen hat mal ein paar kuriose Fakten gesammelt:
Tube Lines die Betreiber mussten Ersatzteile bei ebay ersteigern, weil das System veraltet ist und man die gesuchten Teile nicht mehr im regulären Handel bekommt (Quelle: BBC Bericht).
Das englische Gegenstück zur Eva Herman, die ähnlich dümmliche Anthea Turner hat eine ziemliche erfolgreiche Kinderbuchserie über die geschatzten 500000 Mäuse in der Londoner U-Bahn geschrieben (Link zu Amazon). Ohne Frage besser als Evas gedruckte Absonderungen.
“Bulldog Jack” ein feiner Kinofilm aus dem Jahre 1935 beinhaltet in paar schöne Szenen in der Londoner U-Bahn.
Natürlich bevölkern jede Menge Spukgestalten die Londoner-Bahn. Die BBC hat sie mal aufgelistet.
Eine Liste der geschlossenen U-Bahnhöfe in London gibt es bei der Wikipedia.
In Coventry gibt es die Spon Street. Hier wurden die wenigen mittelalterlichen Häuser, die nach dem Krieg unzerbombt waren, hinverfrachtet und eine Art mittelalterliches Ambiente geschaffen. Teilweise sehr schön erhaltene Mittelalterarchitektur. In den nächsten Tagen nun macht in Coventry ein Ikea auf. Der einzige Ikea in Europa der in einem Stadtzentrum steht. Nur ca. 300m von der Spon Street. Manchmal wünscht man sich doch dragonische Strafen für Stadtplaner.