Wenn man in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen ist, ein Mädchen war oder eine Schwester hat, ist man sehr wahrscheinlich den Werken der englischen Kinderbuchautorin Enid Blyton begegnet. Hanni und Nanni oder auch den 5 Freuden. Schlechte Kinderbücher, immer dieselbe Geschichte, immer steretyp, immer “gut” und “böse”.
Auch Frau Blyton (1897 - 1968) selbst soll keine angenehme Zeitgenossin gewesen sein. In einer Biografie (Enid Blyton: A Biography by Barbara Stoney, 1974), an der Blytons Tochter mitarbeitete wird sie als kalt, herzlos und egomanisch dargestellt.
Wie auch immer, Thema bei Sprachfetzen ist der Ausdruck “Golliwog”. Diese Terminologie verwendet Blyton in ihren Büchern oft für eine “ethnically black person”. In den 60er Jahren bekam der Ausdruck eine immer mehr abwertende rassistische Konnotation. So kam es das Blytons Bücher teilweise von Bibliotheken verbannt wurden. In neueren Ausgaben der Bücher wurden die Golliwogs durch Teddybären und Kobolde ersetzt. In den 90er Jahren wurde dann die Verwendung des Ausdrucks in den Blytonschen Werken teilweise neu bewertet (Guardian).
Bis heute findet man allerdings in den Buchgeschäften und in den Buchregalen der Charity Shops keine Ausgabe von Blytons “The Three Golliwogs” mehr. Die Abenteuer von Wiggie, Waggie und Wollie gibt es noch ab und zu gebraucht im Internet zu finden. Total überteuert. Ach ja, am 10.5. ist Enid Blyton Tag - ich glaube ich habe was besseres vor. Und Morgen werden wir bei Sprachfetzen der Herkunft des Wortes “Golliwog” nachgehen - das ist spannender als die Geschichten der drei Golliwogs.
Am Samstag dem 29. März findet das diesjährige “Oxford and Cambridge Boat Race” statt. Das ist der traditionsreiche Ruderwettbewerb zwischen den beiden Achtern der Universitäten Oxford und Cambridge. Das erste Rennen fand 1845 auf der auch heute noch genutzten 6.779 m langen Strecke zwischen Putney und Mortlake auf der Themse statt. Die Seite The boat race zeigt wo man sich am besten zum Zuschauen positionieren sollte.
Nachdem im Jahr 1859 das Boot von Cambridge sank, sanken 1912 sogar beide Boote und das Rennen muss wiederholt werde. Das erste und bisher einzige Mal endete 1877 das Rennen unentschieden - “a dead heat” - “ein unentschiedenens Rennen”.
“When pain and anguish wring the brow, an interesting mangle thou, as we used to say in the good old days when the pun and the Spoonerismus were in fashion.” - Aldous Huxley, Antic Hay
Spoonerism so nennt man diese kleinen verbalen Versprecher, bei denen die Anfangskonsonanten zweier aufeinanderfolgender Wörter vertauscht werden. Zum Beispiel:
- “The queer old dean” statt “The dear old queen”
- “Wünzmurf” statt “Münzwurf”
- Aschentuhr, Badenwein, Kostputsche, Rottenschock, ….
Man kann daraus auch Schüttelreime machen. Ein Beispiel auf deutsch:
Es klapperte die Klapperschlang’,
bis ihre Klapper schlapper klang.
(geht auf Heinz Erhardt zurück)
Warum heißt das nun Spoonerism? Das geht auf den guten Reverent Spooner zurück, der Anfang des 20. Jh. Leiter das College in Oxford war und dem solche Versprecher ziemlich häufig unterliefen. Da wurden nicht nur die Anfangsbuchstaben vertauscht. Ein paar bekannte Versprecher des Reverents sind:
- nosey little cook - cosy little nook
- a half-warmed fish - a half-formed wish
- a blushing crow - a crushing blow
So, genug Englisch für heute. Ich schau gerade aus dem Fenster: it’s roaring with pain! Hupps, ich meinte natürlich: it’s pouring with rain!
Vor ein paar Tagen gab es eine Meldung, daß in der Londoner Brick Lane ein kleiner Feldversuch gestartet wurde. Um fleißig simsente Passanten vor Kopfverletzungen zu schützen, wurden Laternenpfähle weich umpolstert. “Ein SMS schicken” heißt im Englischen einfach “to text”. Eine Studie ergab, daß es 2007 in London 58000 dieser sogenannten ‘walk and text’-Verletzungen gab.
Die Studie wurde von 118 118 einer großen englischen Telefonauskunft in Auftrag gegeben. Dieser Auskunftsdienst ist bekannt für aggresive Werbung. Der Dienst gibt Auskunft zu so ziemlich allem: von Zugabfahrtszeiten über Kinoprogramm bis zur Höhe des Eifellturm. Man ruft an - oder schickt ein SMS - und schwupp bekommt man (für teure Gebühren) die Antwort.
Die weichen Laternenpfahlumpolsterungen sind natürlich mit reichlich 118 118 Werbung geschmückt.
Na dann - walk and text Verletzungen ade. Dank der netten Firma wird ein zum simsen genutzter Spaziergang zum “walk in the park” - “zum Kinderspiel”.
“A German joke, as we all know, is no laughing matter.” das weiß der Journalist Adrian Bridge im Daily Telegraph zu berichten. Allerdings findet er eine Plakatwerbung der Deutschen Zentrale für Tourismus, für Urlaub in München ziemlich lustig. Die Werbung besteht aus einer Aneinandereihung von Fakten, unter anderem erfährt man dort von: “7,442 restaurants, pubs and inns in Munich, the average depth of the snow nearby is 43.36cm and the flight from Heathrow takes 107 minutes.”.
Die Stern Journalistin Cornelia Fuchs freut sich sehr über diesen gelungenen subversiven Humor in ihrem “Unter Briten” Blog im Stern. Das ist seltsam, wo doch Frau Fuchs Beobachtungen meist humorfrei und eher behäbig sind.
Na ich bin mir nicht sicher ob das wirklich so humorvoll ist, Frau Fuchs. Vielleicht muß man dem Briten einfach mit Fakten kommen. Und das wußte auch die verantwortliche Werbeagentur. Eventuell hat die sich erinnert, wie das damals bei dieser Amerikanerikanischen Firma war, die Dosensuppen in England einführte - und Riesenverluste machten. Die Briten wollten nicht soviele Pfund für eine kleine Dose Suppe hinblättern. Das das Konzentrat war und ganz viele Suppenportionen ergab, hatte ihnen ja keiner erklärt.
Apropos, da war ja auch Hühnersuppe dabei. Na - was heißt denn: “Da lachen ja die Hühner” auf Englisch?
Das mußte ich erstmal den Einheimischen übersetzen und erklären, um zu erfahren das es folgende Redewendung im Englischen gibt:
“That gives one a horse laugh”
In England gibt es am Karfreitag Hot Cross Buns, eine Art süße Brötchen. Dieser Brauch geht auf eine englische Witwe zurück, deren Sohn zur See fuhr. Sie versprach ihm jedes Jahr am Karfreitag ein Brötchen zu backen und so seine sichere Rückkehr zu unterstützen. Auch als er nach Jahren nicht zurückkehrte, buck die gläubige Witwe weiter Brötchen, in die sie ein Kreuz ritzte, im guten Glauben an seine unversehrte Rückkehr. Nachdem die Witwe gestorben war, setzen Nachbarn und Freunde diese Tradition fort. Ein Hot Cross Buns Rezept (auf deutsch) findet man hier. Hier gibt es ein englisches Rezept mit Bild und ein etwas andere Geschichte zur Herkunft dieser Tradition.
Vor ein paar Jahren wurde sogar mal versucht die leckeren Brötchen aus dem Menü einiger Schulküchen zu streichen, um den Muselmann nicht vor den Kopf zu stoßen.
So, bevor ich in die Osterferien gehe (”Easter Break”) gibt es noch eine kleine Redewendung mit über die Feiertage: “When the devil is blind” - “wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen”
Aber nun ab in die Osterferien. Bei Sprachfetzen geht es weiter am Dienstag, den 25. März. Happy Easter!
Es gibt ja viele Wörter die im Deutschen und im Englischengleich sind. Arm, Rucksack, Museum, mental, Ring, Hammer, Winter und und und.
Aber dann gibt es auch diese Wörter von denen man (bzw. ich) denkt das sie eigentlich gleichbedeutend sein müssten. Leider nein! So zum Beispiel “adäquat”. Allerdings heißt das im englischen “suitable” oder “appropriate”. Sagt man Englisch “adequate”, heißt das “durchschnittlich”.
- “Aktuell” wird korrekt mit “topical”, “current” übersetzt und nicht mit “actual”, denn das bedeutet “wirklich”, “tatsächlich”.
- “Delikat” (delicious; exquisite) nicht mit “delicate” übersetzen, denn, das steht für “empfindlich”.
- Fabrik ist natürlich “factory” und nicht “fabric” - das bedeutet Stoff.
- “Gift” ist im Englischen “poison”, während das englische “gift” natürlich “Geschenk” meint.
- “Fieber” wird korrekt übersetzt mit “temperature” und nicht mit “fever”, denn das ist die Krankheit.
- “Konkurrenz” im Englischen ist “competition”, während das englische “concurrence” “Einverständnis, Mitwirkung” meint.
Es gibt noch viele mehr - vielleicht kommt demnächst mal Teil 2 dieser bösen Fallen.
Vom Keller zur Flasche? Richtig gelesen - es geht jetzt nicht um “in den Keller zur Flasche”, sonderm um Architektur. Architektur mit Geheimgängen und -türen, um versteckte Treppen und geheime Keller.
Die wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts vom Architekten John Nash im teils indischen, teils chinesischen Stil im “Royal Pavilion” in Brighton für Georg IV., eingebaut. “Bottle” ist der größte Zwiebelturm dieses Prachtgebäudes.
Als ich letztes Jahr in Brighton war wurde noch fleißig restauriert. Nun ist alles zugänglich und wenn man 22 Pfund übrig hat, kann man die „Basement to Bottle“-Tour die zum erstenmal Einblicke in verborgene Teile des Palasts bietet, buchen. “The tour lasts up to two hours and finishes with refreshments in the Queen Adelaide Tearoom.” (Zitat: visitbrighton). Dort gibt es dann Tee und Küchlein.
Brighton ist ja ein geschichtsträchtiges Seebad, da gibt es dann Abends genug Möglichkeiten sich zu vergnügen und “to hit the bottle” - zur Flasche greifen.