Seltsames, Skurriles und Merkwürdiges aus dem englischen Alltag



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    Archiv: Dezember 2009

    Das Zeichen des Friseurs

    Viele alte Friseurläden Englands haben ein kleines Zeichen außen am Laden. Zuerst erscheint es wie eine Lampe. Aber es ist eine Glasröhre mit rot-weiß Schlangenlinienmuster. Schaut bei euerm nächsten Englandbesuch mal hin, ganz viele alteingesessenen Friseure haben dieses Erkennungszeichen. Dieser sogenannte “barber’s pole” geht zurück aufs Mittelalter, wo die Friseure auch als Zahnärzte und Chirurgen arbeiteten. Werkzeug war ja so ziemlich das gleiche. Die rot-weißen Streifen symbolisieren die Verbände. Kein Scherz.

    “Cut it out!” - “Hör auf damit!” höre ich die Leser schreien, Sprachfetzen will uns wohl “einen Bären aufbinden” - “pull our leg”

    Falls ihr Sprachfetzen nicht glaubt, Thames Salon hat einen Artikel darüber, die BBC auch.

    barbershop.jpg

    Und damit verabschiedet sich Sprachfetzen in die Weihnachtsferien. Hier geht es weiter am Montag, den 11. Januar. Schöne Weihnachten und frohes Neues an alle meine Leser!

    Burning the clocks

    Heute ist Wintersonnenwende (solstice), der kürzeste Tag, die längste Nacht.

    “THE DEATH OF TIME…

    As the solstice comes, time slows down and stops. This is the ebb time, the limbo between years and worlds. In this slack tide of the hourglass the impossible happens. The pendulum stops and we need all our energy to start it moving again.”
    schreiben die Veranstalter des großen “Burning The Clocks” Umzugs in Brighton. Ein großes Spektakel mit rund 1000 Teilnehmern ausgerüstet mit Laternen, Trommeln und teilweise beritten.

    Wer gerade in der Gegend ist - ein Sprachfetzen Ausflugstipp.

    Ach ja der Vokabeltipp für heute: im Text oben wird das Wort “limbo” genannt - ”to be in limbo” - “in der Schwebe sein”.

    Christmas traditions in danger of dying out

    Zumindest die englische Presse hat Angst das gute alte Weihnachtsbräuche aussterben. “Pennies in puddings, tangerines in stockings and toasting the Queen are in danger of becoming the ghosts of Christmas past” schreibt der Telegraph.
    “Tangerine” ist die Mandarine und die gehört zu Weihnachten hier in England in den Strumpf. Der wird in England am 24. Abends rausgehängt und ist dann wundersamerweiser am Morgen des 25. mit kleinen Dingen gefüllt. Überhaupt ist Weihnachten in England am 25. , Heiligabend gibt’s nicht. Und der zweite Feiertag ist auch keiner, sondern da sind alle Läden geöffnet - mit Sonderangeboten: it’s Boxing Day!

    The tradition of putting tangerines in stockings comes from 12th-century French nuns who left socks full of fruit, nuts and tangerines at the houses of the poor. (Quelle).

    Zum Abschlus noch ein Wort zur Tradition des Kusses unterm Mistelzweig. Daran sind die Wikinger schuld. Die glaubten namlich das Misteln die Kraft besitzen,  Tote wieder zum Leben erwecken.

    “They believed that Balder, the son of their goddess of love and beauty, Frigga, was killed by an arrow tipped with the poison in mistletoe. Frigga mourned so deeply that her tears turned the red berries of the mistletoe white, and Balder was revived. Frigga was so grateful that she reversed mistletoe’s previously deadly reputation, and henceforth she kissed everyone who walked underneath the plant.” (Quelle ).

    Schöne Geschichte - schönes Wochenende wünscht Sprachfetzen!

    Putting the bite on

    Weihnachten naht. Da soll bei Sprachfetzen eine seltsame weihnachtliche Tradition aus Wales nicht unerwähnt bleiben. “Putting the bite on” nennt sich die.

    Was hat es damit auf sich? In ländlichen Gegenden in Südwales, gibt es den Mari Llwyd , jemand der unter einer Art Pferdekostüm versteckt ist (”brethyn rhawn”). Auf einer Lanze aufgespiest trägt er einen Pferdeschädel umher.

    Der Mari Llwyd geht durch die Strassen begleitet von weiteren vermummten Gestalten und versucht Passanten zu beißen. “And anyone ‘given the bite’ by the horse’s jaws” muss eine Geldstrafe zahlen.

    Seltsam, aber so wird es bei histclo (ganz unten auf der Webseite) und bei einem Blogeintrag ueber keltische Traditionen beschrieben.

    Und Sprachfetzen fallen da zwei Redewendungen in denen “gebissen” wird ein:

    “His bark is worse than his bite” - “Bellende Hunde beißen nicht” und
    “He won’t bite your head off” - “Er wird dir schon nicht gleich den Kopf abbeißen”.

    Berengaria von Navarre, die Königin ohne Land

    Geschichtsstunde bei Sprachfetzen. Es gibt eine englische Königin die nie englischen Boden betreten hat.

    Berengaria of Navarre war die Frau von König Richard Löwenherz. (Navarra ist übrigens ein historischer Staat in den westlichen Pyrenäen). Auch Richard Löwenherz selber hat sich in seinem Leben maximal 3 - 6 Monate insgesamt in England aufgehalten und kaum Englisch gesprochen. Daher hatte Berengaria auch einiges zu tun um von Richard Nachfolger dem bösen John eine Rente zu bekommen (Richard verstarb früh in der Schlcht von einer Armbrust getroffen).

    Berengaria ließ sich in Le Mans nieder, einem ihrer Besitze, wo sie sich um Errichtung und Betrieb der Abtei von L’Epau verdient machte. Viel weiß man nicht von ihr, das was bekannt ist kann man hier nachlesen.

    Da es bei Sprachfetzen heute royalistisch historisch ist zum Abschluß die thematisch bezogene Redewendung die sowohl im Deutschen als auch im Englischen gilt:

    “Among the blind the one-eyed is king” - “Unter den Blinden ist der Einäugige König”.

    Das Sparschwein kommt aus England

    Im Mittelalter wurde Ton in England als “pygg” bezeichnet. Und natürlich wurden auch oft Münzen in Gefässen aus pygg aufbewahrt, sogenannte “pygg jars”. Im 18. Jh. mit der Sprachevolution wurde daraus “pig bank” oder auch “piggy bank”. Und einen richtigen Popularitätsschub erhielten diese piggy banks im 19. Jh als eine englische Töpferei Tonschweine mit Schlitz im Rücken, als Sparschweine “pygg banks”, auf den Markt brachte.

    Weiteres dazu bei Piggy Bank History und bei Piggybankpage. So ist das also mit der Herkunft der Sparschweine. Ja bei Sprachfetzen gibt es Fakten und keiner kann sagen Sprachfetzen würde “etwas schönreden” - ”put lipstick on the pig”.

    Fratzen - Gargoyles

    An vielen englischen mittelalterliche Kirchen und Gebäuden man sogenannten “Gargoyles”.

    Verbreitet ist die Ansicht das diese Fratzengesichter dazu dienen böse Geister zu vertreiben. Das ist aberfalsch, vielmehr sind diese Gargoyles, korrekt übersetzt “Wasserspeier”, genau wie die deutsche Bezeichnung sagt, Abflussrohre.

    Mit den Mündern in einigem Abstand von den Gebäuden, wurde so Verhindert das das Abwasser einfach die Wände herunterlief und Schäden verursachte.

    Gargoyles findet man überall in Großbritannien. Ein paar nette Photos gibt es hier und noch mehr historische Fakten hier.

    In Liverpool bei den Liver Birds

    180px_Liver_Bird.jpgDas gestrige Hen Night Photo machte Sprachfetzen im legendären Cavern Club in Liverpool. Dort wo die Beatles anfingen. Das Wahrzeichen der Stadt sind die Liver birds. Aber Obacht das Liver hier wird nicht wie das Liver von Liverpool ausgesprochen, sondern so, das es sich mit “driver” reimt - also “Laifer”. The pronunciation of liver in this word is not homophonous with the first two syllables of Liverpool; rather it rhymes with “driver” (Wikipedia).

    Die beiden Vögel sitzen auf dem Gebäude der Royal Liver Assurance, benannt nach dem Hauptsitz der gleichnamigen Versicherung. Entworfen von Walter Aubrey Thomas Anfang des 20 Jh, war es eine der ersten mehrstöckigen Stahlbetonkonstruktionen sowie eines der ersten Hochhäuser Großbritanniens.Ziemlich schnell wurden die Fünfeinhalb Meter hohen Kupfervögel zum Wahrzeichen der Stadt.

    cavern.jpgDer Cavern Club ist nicht mehr der Originale. Anfang der 70er geschlossen, einige Jahre zugunsen der U-Bahn abgerissen wurde er Anfang der 80er mit Originalsteinen möglichst naturgetreu auf der anderen Straßenseite wiederaufgebaut. Naja denkt Sprachfetzen, für die Touristen reicht es, ansonsten aber The Great Rock’n'Roll Swindle oder auch
    “a fair swindle” - “ein glatter Betrug”

      

     

     

     

     

     

     

    © Thomas Althaus 2007 | by WordPress | WPD
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