Seltsames, Skurriles und Merkwürdiges aus dem englischen Alltag



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    Kategorie: Folkloristisches

    Morgen ist St. Swithin’s Day

    Am 15. July ist St. Swithin’s Day - wichtig für alle Meterologen, denn so besagt die Wetteregel: regnet es am St. Within’s Day, wird es die nächsten 40 Tage weiterregnen.

    Dazu gibt es auch einen alten Reim

    ‘St. Swithin’s day if thou dost rain
    For forty days it will remain
    St. Swithin’s day if thou be fair
    For forty days ’twill rain nae mair.’

    dost = does
    thou = you
    nae mair = no more.

    St. Swithin war der Bischof von Winchester. Die Legende besagt, daß der Bischof auf seinem Totenbett den Wunsch äußerte im Freien und nicht wie üblich in einer Kathedrale begraben zu werden, denn dann køunne er den Regen und die Schritte hören. Sein Wunsch wurde befolgt, doch 9 Jahre später, im Jahre 971 verlegten die Mönche seine Gebeine in die Kathedrale. Am Tag der Verlegungszeremonie blitzte und donnerte es und der Regen hielt 40 Tage lang an.

    Anlaß für Sprachfetzen ein paar regenrelevante Redewendungen vorzustellen:

    “to rain cats and dogs” - “in Strömen regnen”

    “to rain on someone’s parade” - “jemandem die Suppe versalzen”

    “to be left out in the rain” - “im Regen stehen gelassen werden”

    “to take a rain check” - “auf etwas später wieder zurückkommen, etwas verschieben”

    A swarm in June is worth a silver spoon

    Was sagen die englischen Bauernregeln (country sayings, weather proverbs) zum Juni:
    ‘A calm June puts the farmer in tune’
    ‘June damp and warm, does the farmer no harm’

    Im Juni erwartet uns der längste Tag (Summer Solstice) und 3 Tage später am 24. Juni der Midsummer’s Day, die Mitte des Sommers. Dann fackeln, besonders im Süden Englands die großen Midsummer’s Day Feuer (dafür gibt es in England kaum Osterfeuer).

    Außerdem gilt es nach Bienen Ausschau zu halten:
    A swarm in May is worth a load of hay; a swarm in June is worth a silver spoon; but a swarm in July is not worth a fly (Quelle).

    Das große Brot und Käse Werfen

    Das große Brot und Käse Werfen findet diesen Sonntag (”whit sunday”) in St Briavel’s Church im Forest of Dean in Glouchestershire, statt. Seit 1779 gibt es diese Tradition, allerdings musste damals noch jeder einen Penny zahlen um am Fangen teilnehmen zu dürfen.

    Als milde Gabe für die Armen einst gedacht, hat sich diese Tradition im Laufe der Jahre zu einem Spektakel entwickelt, welches zwischenzeitlich wegen hooliganmäßigen Besäufnissen und Schlägereien auch mal ausfallen musste. Inzwischen geht es wohl wieder gesittet zu und die Häppchen (”morsels”), die als milde Gabe (”dole”) geworfen werden, werden weniger blutig umkämpft.

    “From the moment the first morsels are thrown a thrill of excitement ignites the crowd. Hands outstretched, every man, woman and child battles for his share of the bounty. There are no rules in this battle - women hoist restricting skirts and men pull out extraordinarily large hats to ensure they receive more than their fair share.” (Quelle - unten auf der Seite).

    Ein Ausflugstipp von Sprachfetzen.

    Staddle Stone

    Man findet sie überall in England. Riesige steinerne Pilze. Verwittert und bemost stehen sie da wie Obelix’ Hinkelsteine. Allerdings sind sie nicht Überbleibsel heidnischer Kultur, sondern Werkzeug findiger Landwirtschaft.

    Staddle Stones wurden ursprünglich dazu verwendet Kornsilos und Scheunen (granaries & barns) zu erhöhen.Das brachte zwei Vorteile. Zum einen hielt es Ratten und Mäuse ab in die Gebäude zu klettern

    staddlestone.jpg

    und zum anderen hielt es Bodenfeuchtigkeit ab.

    Heute sind diese Staddle Stones beliebte Garten- und Parkornamente. Original antike Staddle Stones werden um die £400 herum gehandelt (z. Bsb. hier).

    Bog of Doom

    Bog of Doom - “Moor des Untergangs” (wahlweise auch “Schicksals-Sumpf”) ist nicht der Titel eines neuen Hollywood Megaknallers den Sprachfetzen vorstellen will, sondern eine Art Querfeldeinlauf mit Hindernis. Eine in England sehr beliebte Freizeitsportart. Das ganze Jahr über finden in allen Landesteilen solche Läufe statt. Anmelden kann man sich zu solch einem  ”Hellrunner” auf dieser Webseite. Aber man kann auch einfach nur zuschauen, wie sich die Teilnehmer durch Moor, Morast, Schlamm, Stein- und Felspisten quälen.

    Sprachfetzens englischer Freund Tim, nahm letzten November am Bog of Doom Teil und stellte ein Foto zur Verfügung:

    Hellrunner bog of doom

    Wem das nicht genügt, jetzt anmelden zum “Tough Guy” im Juli!

    • Tough Guy™ - The original and ultimate challenge. Run on the last Sunday of January and offering brain freeze like you’ve never experienced before!
    • Nettle Warrior - Less of the cold, more of the pain! Run on the last Sunday of July and featuring our hybrid super strength stinging nettles. All the same obstacles as January, only twice over!
    Manchmal, denkt sich Sprachfetzen, sind die Englander schon ein seltsames Volk. Apropos “seltsam” - da kann man im Englischen auswahlen zwischen: “whimsical”, “strange”, “weird”, “odd”, “peculiar” oder ”curious”.

    Eeyore, Piglet, Tigger, Kanga und Roo

    Namen die jeder hier in England kennt. Charaktere aus Winnie the Pooh. A.A. Milne (Alan Alexandra Milne) Autor von “Winnie the Pooh”, wurde am 18. Januar 1882 geboren und lebte in einem Haus in Hartfield, am Rand des Ashdown Forest in East Sussex, England. Pu der Bär ist hier in England DAS Kinderbuch und die absurd-warmherzigen Geschichten um den Bären „von sehr geringem Verstand” oder – treffender – von sehr großer Naivität (Zitat: Wikipedia), werden jeder neuen englischen Generation vorgelesen. Eeyore, Piglet, Tigger, Kanga und Roo waren die Stofftiere von Milnes Sohn und Winnie-the-Pooh wurde nach einem Kanadischen Schwarzbär im Londoner Zoo namens Winnipeg und einem Schwan in West Sussex der Pooh hieß, benannt.

    Mehr zu Winnie, einigen Geschichten und seinem Erfinder gibt es bei www.just-pooh.com.

    Den Begriff “Poohsticks” findet man in keinem Sprachlexikon, es ist aber ein Spiel das jeder Engländer kennt. Man wirft Stöcke von einer Seite einer Brücke in einem Fluß oder Bach und rennt zur anderen Seite und schaut welcher Stock von der Strömung zuerst unter der Brücke auftaucht. Die kleine Brücke im Ashdown Forest, der Originalschauplatz in den Geschichten ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Groß und Klein (Foto von der Poohstick Brücke).

    Fratzen - Gargoyles

    An vielen englischen mittelalterliche Kirchen und Gebäuden man sogenannten “Gargoyles”.

    Verbreitet ist die Ansicht das diese Fratzengesichter dazu dienen böse Geister zu vertreiben. Das ist aberfalsch, vielmehr sind diese Gargoyles, korrekt übersetzt “Wasserspeier”, genau wie die deutsche Bezeichnung sagt, Abflussrohre.

    Mit den Mündern in einigem Abstand von den Gebäuden, wurde so Verhindert das das Abwasser einfach die Wände herunterlief und Schäden verursachte.

    Gargoyles findet man überall in Großbritannien. Ein paar nette Photos gibt es hier und noch mehr historische Fakten hier.

    Mummer’s Plays

    In der Vorweihnachtszeit finden in England häufig sogenannte Mummer’s Plays statt. Eine alte britische Tradition Mummery bedeutet Vermummung. Das Ganze geht wohl zurück auf die Geschichten von “The Seven Champions of Christendom”. Das sind die Sieben Schutzheiligen von England, Schottland, Irland, Wales, Frankreich, Italien and Spanien. Die kämpften gegen Drachen, Hexenmeister, Unholde und weitere Ungläubige. Gut gegen Böse - Tot und Auferstehung. Auf einen harten Winter folgt immer der knospende Frühling.

    Die Mummer’s Plays sind eigentlich stumm, sozusagen Vorläufer der Pantomime. Aber “eventually, dialogue was added, but was passed on by word-of-mouth. Consequently, the ‘Chinese Whispers’ effect over the centuries and the loss of the real significance of the original story, makes present day performances very entertaining but virtually meaningless to most audiences.”

    Mehr im Web zu Mummer’s Play findet man hier und hier.

    Wie auch immer, das schöne deutsche Mummenschanz im Englischen ist ganz profan disguise oder masquerade.

    © Thomas Althaus 2007 | by WordPress | WPD
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