Seltsames, Skurriles und Merkwürdiges aus dem englischen Alltag



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    Kategorie: Folkloristisches

    Bog of Doom

    Bog of Doom - “Moor des Untergangs” (wahlweise auch “Schicksals-Sumpf”) ist nicht der Titel eines neuen Hollywood Megaknallers den Sprachfetzen vorstellen will, sondern eine Art Querfeldeinlauf mit Hindernis. Eine in England sehr beliebte Freizeitsportart. Das ganze Jahr über finden in allen Landesteilen solche Läufe statt. Anmelden kann man sich zu solch einem  ”Hellrunner” auf dieser Webseite. Aber man kann auch einfach nur zuschauen, wie sich die Teilnehmer durch Moor, Morast, Schlamm, Stein- und Felspisten quälen.

    Sprachfetzens englischer Freund Tim, nahm letzten November am Bog of Doom Teil und stellte ein Foto zur Verfügung:

    Hellrunner bog of doom

    Wem das nicht genügt, jetzt anmelden zum “Tough Guy” im Juli!

    • Tough Guy™ - The original and ultimate challenge. Run on the last Sunday of January and offering brain freeze like you’ve never experienced before!
    • Nettle Warrior - Less of the cold, more of the pain! Run on the last Sunday of July and featuring our hybrid super strength stinging nettles. All the same obstacles as January, only twice over!
    Manchmal, denkt sich Sprachfetzen, sind die Englander schon ein seltsames Volk. Apropos “seltsam” - da kann man im Englischen auswahlen zwischen: “whimsical”, “strange”, “weird”, “odd”, “peculiar” oder ”curious”.

    Eeyore, Piglet, Tigger, Kanga und Roo

    Namen die jeder hier in England kennt. Charaktere aus Winnie the Pooh. A.A. Milne (Alan Alexandra Milne) Autor von “Winnie the Pooh”, wurde am 18. Januar 1882 geboren und lebte in einem Haus in Hartfield, am Rand des Ashdown Forest in East Sussex, England. Pu der Bär ist hier in England DAS Kinderbuch und die absurd-warmherzigen Geschichten um den Bären „von sehr geringem Verstand” oder – treffender – von sehr großer Naivität (Zitat: Wikipedia), werden jeder neuen englischen Generation vorgelesen. Eeyore, Piglet, Tigger, Kanga und Roo waren die Stofftiere von Milnes Sohn und Winnie-the-Pooh wurde nach einem Kanadischen Schwarzbär im Londoner Zoo namens Winnipeg und einem Schwan in West Sussex der Pooh hieß, benannt.

    Mehr zu Winnie, einigen Geschichten und seinem Erfinder gibt es bei www.just-pooh.com.

    Den Begriff “Poohsticks” findet man in keinem Sprachlexikon, es ist aber ein Spiel das jeder Engländer kennt. Man wirft Stöcke von einer Seite einer Brücke in einem Fluß oder Bach und rennt zur anderen Seite und schaut welcher Stock von der Strömung zuerst unter der Brücke auftaucht. Die kleine Brücke im Ashdown Forest, der Originalschauplatz in den Geschichten ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Groß und Klein (Foto von der Poohstick Brücke).

    Fratzen - Gargoyles

    An vielen englischen mittelalterliche Kirchen und Gebäuden man sogenannten “Gargoyles”.

    Verbreitet ist die Ansicht das diese Fratzengesichter dazu dienen böse Geister zu vertreiben. Das ist aberfalsch, vielmehr sind diese Gargoyles, korrekt übersetzt “Wasserspeier”, genau wie die deutsche Bezeichnung sagt, Abflussrohre.

    Mit den Mündern in einigem Abstand von den Gebäuden, wurde so Verhindert das das Abwasser einfach die Wände herunterlief und Schäden verursachte.

    Gargoyles findet man überall in Großbritannien. Ein paar nette Photos gibt es hier und noch mehr historische Fakten hier.

    Mummer’s Plays

    In der Vorweihnachtszeit finden in England häufig sogenannte Mummer’s Plays statt. Eine alte britische Tradition Mummery bedeutet Vermummung. Das Ganze geht wohl zurück auf die Geschichten von “The Seven Champions of Christendom”. Das sind die Sieben Schutzheiligen von England, Schottland, Irland, Wales, Frankreich, Italien and Spanien. Die kämpften gegen Drachen, Hexenmeister, Unholde und weitere Ungläubige. Gut gegen Böse - Tot und Auferstehung. Auf einen harten Winter folgt immer der knospende Frühling.

    Die Mummer’s Plays sind eigentlich stumm, sozusagen Vorläufer der Pantomime. Aber “eventually, dialogue was added, but was passed on by word-of-mouth. Consequently, the ‘Chinese Whispers’ effect over the centuries and the loss of the real significance of the original story, makes present day performances very entertaining but virtually meaningless to most audiences.”

    Mehr im Web zu Mummer’s Play findet man hier und hier.

    Wie auch immer, das schöne deutsche Mummenschanz im Englischen ist ganz profan disguise oder masquerade.

    Nottingham - City of Caves

    Ein Ausflug nach Nottingham. Nein, nicht zum nahe gelegenem Sherwood Forrest oder zu irgend einem Robin Hood Museum. Es geht in die “City of Caves“, ein Höhlen und Tunnelsystem unter Nottinghams Innenstadt. Die Angelsachsen legten rund 400 Tunnel an, Druiden wirkten dort und noch bis Ende das 19Jh. lebten die Armen von Nottinghams Bevölkerung in diesem unterirdischen System.

    Heute sind einige dieser Tunnel in Privatbesitz, aber viele sind zugänglich und es gibt Führungen bei denen das unterirdische Leben wieder zum Leben erweckt wird - vom Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg, wo Teile als Bombenschutzbunker fungierten. Weitere Infos bei About Britain und der BBC mit 360 Grad Panorama Photo.

    “To cave in” bedeutet unter anderem “einstürzen, einsinken”, aber wird umgangssprachlich auch oft im Sinne von “nachgeben” gebraucht. Sprachfetzen eventually caved in to fill stockings at Christmas.

    Hellseher und Wahrsager

    Clairvoyant - Hellseher, fortuneteller - Wahrsager, spiritualist - Spiritist. In England immer noch ein gutgehendes Geschäft. Statt Telefonseelsorge wird erstmal die Tarottante angerufen. Geldsorgen? Die Irische Lotterie und der Gang zur Glaskugelguckerin sind Pflicht. Immer noch Single? Von wegen Internetdating, nichts wie hin zur Handleserin des Vetrauens. Zum Beispiel Mrs. Lee, die ist bekannt aus Funk und Fernsehen und “She is known for her truthfull predictions” - “bekannt für ihre genauen Vorhersagen”. Dumm nur das sie nicht so gut in Rechtschreibung ist. Sprachfetzen hätte ihr sagen können das man “truthful” nur mit einem “l” schreibt.

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    Alles über “furtling”

    Furtling:

    The use of one’s hands to simulate or create the impression of anatomical features in a postcard or photograph. This practice was more commonly for entertainment purposes rather than overt sexual gratification. In an era before radio and television, Furtling was a somewhat common parlor phenomenon in the Victorian era. Soweit das Urban Dictionary.
    Auf Deutsch. Man nimmt ein Photo oder eine Zeichnung und schneidet schamhafte Stellen aus und ersetzt die mit seinen Fingern und Händen. So kann ein guter Furtler täuschend echt Beine, Brüste, Hintern und andere Körperteile nachstellen. Ein englisches Hobby aus der viktorianischen Zeit.
    furtling.gif
    Eine nette interactive Webseite übers Furtling gibt es von Fentimans.



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    Und als Literatur gibt es das Naughty Victorian Handbook.

    W. H. Lever - a cake of soap

    Morgen am 19. September 1851, also vor 158 Jahren wurde William Hesketh Lever in Boltron, Lancashire, geboren. Grund genug für Sprachfetzen den späteren Viscount (ein brit. Adelstitel irgendwo zwischen Baron und Earl), Menschenfreund und Seifenfabrikanten, kurz vorzustellen.

    Zusammengefasst besteht sein Erfolg darin, daß er Seife aus Pflanzenölen und nicht mehr wie bis dahin üblich auf Talg basierend, herstellte.
    1885 gründet William Hesketh Lever eine richtige Seifenfabrik, Lever Brothers treibt geschickte Werbung und schafft mit dem registrierten Markennamen Sunlight den wesentlichen Grundstein zum weiteren Aufstieg. 1899 gründete William Hesketh Lever in Mannheim die Sunlicht-Seifenfabrik AG. Dies war die Zelle vieler Produkte die wir unter der Marke UniLever auch heute noch kennen - sei es Käptn Iglu Spinat oder Lagnese Eis. William Hesketh Lever wirft einen langen Schatten.

    Auf der Webseite seiner Heimatstadt kann man eine kurze Würdigung Herrn Levers finden.

    “to soft-soap someone” - “jemandem Honig ums Maul schmieren”
    “a cake of soap” - “ein Stück Seife”

    Und damit wünscht Sprachfetzen ein schönes Wochenende - wir lesen uns Montag wieder.

    © Thomas Althaus 2007 | by WordPress | WPD
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