Winter in England - Teil 2
Wir befinden uns nun im warmen, entschneetem Auto auf dem Weg zum Supermarkt. Unser Weg führt vorbei an eisglatten Bürgersteigen, überseht mit am Boden liegenden Rentnern mit verenkten Gliedmaßen. Hier in England brauch kein Anlieger den Bürgersteig eis- und schneefrei halten.
Wir ignorieren die gebrochenen Mitbürger und fahren auch an den leichten Senken vorbei, die nun zu Steilhangrodelplätzen umgewandelt sind. Hunderte von Schülern und Kindern deren Schulen und Kindergärten für die nächsten Tagen geschlossen haben, träumen von weiteren wochenlangen schneebedingten Schulschließungen. Durchaus realistisch, wer kann schon verlangen, daß die Lehrer übermenschliche Anstrengungen unternehmen um zum Arbeitsplatz zu gelangen.
Und Bus und Straßenbahn fahren sowieso nicht.
Wir fahren vorbei an dampfenden Schornsteinen, an Vorgärten in denen kiloweise Fettringe und weiteres Vogelfutter ausgelegt sind. Der Engländer ist ein Vogelfreund, der genau weiß, daß der Piepmatz dem weißen Hungertod ins Auge blickt. Da wird geholfen, wo es nur geht.
Und wir kommen zum Supermarkt und finden nur noch leere Regale. Zu spät für den Hamsterkauf. Immerhin gelingt es uns unbeobachtet auf dem Rückweg von den Vögeln zu stehlen.
Wir überleben.
Als der eisige Jahrhundertwinter nach 2 Tagen zerschmilzt, atmet das Königreich befreit auf und noch lange werden die Schnurren vom grausamen Weiß erzählt, das zu Beginn des Jahres 2010 die eisigen Klauen ausstreckte und England erstarren lies.

